Hochzeitsplanung mit Social Media – Fluch oder Segen?

Instagram, Facebook, Pinterest, YouTube – Das alles sind Plattformen, die zum Leben der Menschen einfach dazugehören. In verschiedensten Formaten – egal, ob Text, Bild oder Video – werden Inhalte erstellt, Erfahrungen, Ideen und Inspirationen geteilt und Anregungen gesucht. Ganz klar im Fokus von Social Media stehen zwei Aspekte: das Präsentieren und das Austauschen. Auch die Hochzeit, die als das größte und eindrucksvollste Fest in der Partnerschaft gefeiert wird, wird natürlich viel thematisiert.

Wenn Influencer heiraten – Das Ja-Wort in Bildern

Männer und Frauen mit tausenden oder sogar Millionen von Followern auf Instagram inspirieren ihre Community und lassen tiefe Einblicke in das private Leben zu. Die Art der Accounts ist sehr unterschiedlich und es finden sich zahlreiche Beispiele für gestellt-pompöse bis hin zu ehrlich und authentischen Einblicken in die Hochzeitsvorbereitungen. Vor allem Mädels in der Social Media Welt thematisieren die Hochzeit gern und bis ins kleinste Detail.

Der Hashtag #Hochzeit gehört mit über 4 Millionen zu den beliebtesten Themen-Hashtags bei Instagram im deutschsprachigen Raum.

Auch interessant: Das sind weitere beliebte Hashtags zum Thema Hochzeit

  • #braut – 1.1 Millionen Beiträge
  • #brautkleid und #hochzeitskleid – Zusammen über 1 Million Beiträge
  • #verlobt – 260.000 Beiträge
  • #hochzeitsinspiration – 227.000 Beiträge

Unangefochten und enorm beliebt ist natürlich der internationale Hashtag #wedding. Mit fast 200 Millionen Posts zu diesem Thema zeigt sich, wie groß die Reichweite und das Interesse weltweit ist.

Wenn Influencer heiraten, dann fiebert die Community mit. Ab und zu werden die Follower sogar in die Entscheidungen bezüglich der Hochzeit einbezogen. Dabei gehört das Filmen beim Besuch der Location, die Auswahl der Brautschuhe oder die komplette Begleitung vom Junggesellinnenabschied mithilfe eines Live-Streams zu den gängigen Aktivitäten rund um die Hochzeit bei Instagram & Co.

Beziehung, Verlobung, Hochzeit – Bibi teilt mit ihren 7,7 Millionen Followern nahezu alles

Manche Menschen lassen ihre Community Entscheidungen treffen und veranstalten Abstimmungen, um die Meinung der Follower einzuholen. Welchen Schmuck soll ich tragen? Soll ich diese oder jene Schuhe nehmen? Welcher Blumenstrauß gefällt euch besser?

Instagram-User beteiligen sich in der Regel sehr gern. Denn es ist genau dieses Gefühl des Mitentscheidens und der Nähe, was Influencer so greifbar und vertrauenswürdig erscheinen lässt. Es ist daher nur logisch, dass sich viele Menschen beim Thema Hochzeit auf Instagram von ihren Lieblingsinfluencern inspirieren lassen.

Insta-Hochzeit: Was ist aus der Intimität geworden?

So viele Momente der Hochzeit möchte man festhalten, genießen und niemals vergessen. Das Getting ready. Das Warten auf die Hochzeitskutsche. Das Fotoshooting vor der Trauung. Zum ersten Mal den Partner sehen, die Eltern umarmen. Die Aufregung, die Spannung, die Nervosität. Die Frage drängt sich förmlich auf – muss dabei wirklich immer die Instagram App mitlaufen?

Die Antwort ist so individuell, wie die Hochzeit selbst: Es gibt kein richtig oder falsch. Als Braut sollte man stets das tun, was man möchte und was man genießt. Wichtig ist es, nicht zu vergessen, dass man viel weniger mitbekommt, wenn man die Welt durch die Smartphone-Linse sieht. Es kann auch eine Strategie sein, die persönliche Emotionalität in den Griff zu bekommen, aber man sollte niemals vergessen, dass es genau diese Emotionen sind, die den Tag unvergesslich machen. Das Kleid kann man immer wieder anziehen. Das Gefühl, zum allerersten Mal in den Spiegel zu schauen, ist jedoch einmalig.

Tipp

Legt das Smartphone am Hochzeitstag weg. Genießt die Gefühle und jeden Moment. Lasst den Tag lieber von einem professionellen Fotografen begleiten und seid euch sicher: Die Community, egal wie klein oder groß, gönnt euch den Moment ohne Handy.

Facebook Gruppen – Austausch und Inspiration

Kaum sind die Freudentränen nach der Frage aller Fragen getrocknet, schon klickt sich eine große Menge der Frischverlobten durch die gängigen Social Media Kanäle. Nach dem der Verlobungsring in die Kamera gehalten und samt Herz-Emoji in die Instagram Story hochgeladen wurde, wird es Zeit für die ersten Inspirationen.

Gute Nachricht zuerst – Social Media ist die größte Ideendatenbank

Soziale Netzwerke sind der absolut unschlagbare Ort für die Suche nach der Perfektion. Kleid, Dekoration, Location, Menü, Liederauswahl, Einladungen – für jeden allerkleinsten Punkt auf der langen Liste des Hochzeitsbedarfs gibt es online eine Reizüberflutung. Facebook-Gruppen sind eine beliebte und inspirierende Quelle für Austausch, Fragen und Informationen rund um den großen Tag.

Die größten Facebook Gruppen im deutschsprachigen Raum betragen bis zu 40.000 Abonnenten und gehören mit über 100 Posts pro Tag durchschnittlich zu den sehr aktiven Themengruppen.

Im mehr oder weniger geschützten Rahmen einer Facebook-Gruppe können Bräute und Bräutigame sich über alles rund um das Thema Hochzeit austauschen, ihre Meinung äußern, anderen helfen oder sogar über Probleme, Ängste und Sorgen sprechen und Trost suchen. Man fühlt sich verstanden, die Menschen interessieren sich aufrichtig. Für manch eine Braut ist es eine neue Erfahrung, wenn beispielsweise das eigene Umfeld eher kühl oder desinteressiert mit dem Thema Hochzeit umgeht.

Auch lassen sich manche Dinge einfacher mit Menschen besprechen, die nicht in das persönliche Leben involviert sind, vielleicht die betroffenen Personen gar nicht kennen und daher auch nicht objektiv urteilen können. Der Mensch bekommt die Möglichkeit, die eigene, subjektive Empfindung oder ein persönliches Problem auszusprechen und manchmal tut es wirklich sehr gut.

Manchmal sind Gruppen aber auch Fallen, die die Verlobten in ihrer Planung verunsichern oder gar den ganzen Spaß an der Vorbereitung nehmen können.

Schlechte Nachricht – Die Social Media Beeinflussung ist stark und nicht immer positiv

Höher, schneller, weiter: Wer plant die tollste Hochzeit? Vor lauter Posts zu diversen Themen, Fotos, Beispielen und Fragen vergessen manche Bräute, dass man überhaupt nichts MUSS. Manch einer geht als kompletter Neuling in die Thematik rein und wird sofort geflutet oder gar verunsichert. Vielen steht vermutlich ein Fragezeichen ins Gesicht geschrieben, wenn sie sich durch tausende Posts kämpfen.

Gastgeschenke? Was sind eigentlich Freudentränen? Von einer Prosecco-Bar hat man ja noch nie etwas gehört.  Wieso sind Notfallkörbchen so ein großes Thema? Muss man wirklich etwas Blaues tragen? Und was war nochmal eine Fotobox? Und wenn alle anderen all das haben, muss man das dann auch? Eigentlich hatte man nichts davon eingeplant und schon kann es zu einem sehr unangenehmen Gefühl kommen – zum Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Erst einmal Stopp. Zum einen ist jede Hochzeit ist genauso richtig, wie das Brautpaar es sich wünscht. Es gibt überhaupt keine Pflichten und die Gäste erwarten auch nicht die große Show. Zum anderen war mit Sicherheit noch nie eine Hochzeit ruiniert, weil es nicht genug Einweg-Kameras auf den Tischen gab und noch keiner hatte einen grausigen Tag, weil die Waterbar oder die Donut-Wall gefehlt haben. Trotzdem ist es total menschlich, zu vergleichen. Es sollte einfach nur nicht überbewertet werden.

Folgende Fragen sollten sich Paare bei der Hochzeitsplanung stellen, wenn sie darüber nachdenken, ob sie denn auch einen Hula Hoop Reifen mit Blumen dekorieren oder einen kunstvoll gezeichneten Sitzplan haben möchten:

  • Finden wir es schön, ästhetisch, ansprechend, witzig?
  • Passt es in unser Budget?
  • Werden unsere Gäste Freude daran haben?
  • Passt es zu uns?
  • Fänden wir es schade, darauf zu verzichten?

Wer alle fünf Fragen aus Überzeugung mit JA beantworten kann, sollte es einfach umsetzen. Wenn alle Fragen, außer die Letzte, mit JA beantwortet werden, könnte man es auch umsetzen. Wer aber anderweitig am Überlegen, Drucksen, Abwägen und Hinterfragen ist, kann den Gedanken ruhig einfach verwerfen. Denkt daran, dass es euer großer Tag ist und nicht die Facebookgruppen-Abschlussprüfung.

Nehmt Facebook-Gruppen als das, was sie sind: Inspiration, Hilfe, Fragenkatalog, Unterstützung, Vorfreude. Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr euch in einer Gruppe unwohl, bevormundet oder unter Druck gesetzt fühlt, drückt ohne Reue den „Gruppe verlassen“ Button und schaut euch woanders um – oder lasst es ganz bleiben.

Geschmäcker und Hochzeiten sind verschieden

Wer in Social Media seine Hochzeitsplanung zum Thema macht, sollte auf Kommentare gefasst sein, die einem nicht unbedingt gefallen. Und bei diesem emotionalen und sensiblen Thema ist es manchmal schwieriger damit umzugehen als gedacht. Aus diesem Grund gibt es in jeder Gruppe und auf jeder Instagram-Hochzeitsseite einen Großteil der Menschen, die sich selbst „Stille Mitleser“ nennen und sich nicht aktiv am Geschehen beteiligen. Auch das ist vollkommen in Ordnung.

Kritik und Tipps hinterfragen, aber nicht verunsichern lassen.

Wer sein bereits gekauftes und bezahltes Brautkleid von der Anprobe postet und negative Kommentare erntet, kann schon mal unsicher werden. Es kann eine Braut hart treffen, wenn sie stolz IHR Kleid präsentiert und ein Dutzend Menschen sagt „Steht Dir nicht“ oder „Das Kleid sieht nicht gut aus.“ Man muss den meisten größeren Gruppen zugutehalten, dass die meist sehr positiv sind und Bräute in der Regel versuchen, sensibel mit solchen Themen umzugehen und eher Tipps zu geben als einfach zu kritisieren. Dennoch kann es vorkommen.

Wie geht man mit negativen Kommentaren auf Social Media um?

Hinterfragen

Wenn eine oder wenige Personen anmerken, dass die Einladungskarte oder die Frisur nicht gefällt, kann man es einfach zur Kenntnis nehmen und nicht weiter darüber nachdenken. Häufen sich solche Anmerkungen, könnte etwas dran sein. Dies heißt aber nicht, dass der Gegenstand oder sonstiges sofort verworfen werden muss. Natürlich kann man diese Gelegenheit aber nochmal nutzen, um zu hinterfragen, ob es einem persönlich wirklich gut gefällt und, ob Alternativen oder Veränderungen überhaupt infrage kämen.

Konkretisieren

Entscheidet man sich dafür, der Kritik nachzugehen, was in keiner Weise negativ oder verwerflich ist, könnte man mehr Informationen einholen. Was genau gefällt nicht und warum?

Tipps suchen

Man kann die Kommentatoren direkt fragen, was sie besser/anders tun würden, wenn es ihr Kleid/Einladungskarte/Blumenstrauß wäre. In der Regel kommen mehrere Vorschläge und Ideen.

Freundlich bleiben

Was eigentlich selbstverständlich ist, wird bei besonders emotionalen Themen häufig missachtet. Daher ist es wichtig daran zu denken, dass die Kommentatoren es in der Regel nicht böse meinen und aufrichtig helfen möchten. Es gibt keinen Grund patzig zu werden. Wenn ein Kommentar unter der Gürtellinie ist, am besten gar nicht drauf eingehen und sich nicht in eine Diskussion verwickeln lassen.

Es besteht natürlich trotzdem immer die Möglichkeit zu kommunizieren, dass man nicht kritisiert werden möchte, weil es verunsichern kann und man sich bereits festgelegt hat. In der Regel wird diese Bitte respektiert, wenn man sie freundlich formuliert.

Gefühle hinterfragen

Lässt man sich auf die Kritik ein und ist für Vorschläge offen, kann man anschließend in sich hineinhören und hinterfragen: Würde es mir tatsächlich besser gefallen oder habe ich mich verunsichern lassen? Hat es mir vorher besser gefallen? Wie fühle ich mich dabei?

Leider kommt es öfter vor, dass Bräute sich zu sehr beeinflussen lassen und anschließend überhaupt nicht mehr glücklich mit dem Ergebnis sind. Das passiert aber nicht nur online. Auch das eigene Umfeld kann dazu beitragen und Verunsicherung stiften.

Inspiration – kein Leitfanden

Am Ende sollte immer klar sein, dass es total in Ordnung ist, sich inspirieren zu lassen und auch Dinge mitzuplanen, auf die man alleine nicht gekommen wäre. Aber genau als Solches ist es auch optimal – ein Ideenpool, aus dem die schönsten Elemente entnommen werden können. Niemand spricht davon, alles umzusetzen, was andere auch tun.

Schließlich ist die Sicht sowieso verfälscht. Von so vielen tausenden Mitgliedern sind in der Regel nur wenige hunderte wirklich aktiv. Es sind oft genau die Menschen, die sich sowieso sehr in dem Thema wiederfinden und sich intensiv damit beschäftigen und detailreich planen. Die meisten Brautpaare setzen nur einen Bruchteil dieser Ideen um – und heiraten trotzdem perfekt.

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  • laura-chouette-social-media: Laura Chouette on Unsplash